Der lange Weg zum Machu Picchu

Irgendwie schreibt nie jemand darüber, wie man eigentlich zum Machu Picchu kommt. Denn das ist gar nicht so einfach wie gedacht, wenn man nicht gerade reich oder topfit ist. Wir waren beides zur Zeit nicht (mehr). Dafür überfordert. Aber von vorne:

Alles fing beim Essen bei Heidi an. Wir befinden uns in Cusco, der Hochburg des Gringo Trails. Seit zwei Tagen versuchen wir vergeblich, das Mysterium der Anreise zu Machu Picchu zu verstehen. Nach einem sehr leckeren (und sehr deutschen) Mittagsmenü halten wir ein kurzes Pläuschchen mit den beiden deutschen Besitzern. Wir bekommen den Tipp für ein Hostel in Cusco namens Frankenstein. Wir sind überfordert. Ludwig, der Besitzer, ebenfalls Deutscher, nimmt sich uns an und gibt uns geduldig Tipps für Machu Picchu. Mit dem Zug fahren? Zu teuer. Inka Trail? Ein halbes Jahr vorher ausgebucht. Ein alternativer Trail? Keine Lust auf eine viertägige Wandertour. Es muss doch wohl eine einfache Lösung geben, zum Machu Picchu zu gelangen, oder? Eine Möglichkeit gibt es noch, aber keine einfache. Sondern eine Abenteurliche. Mit dem Local Bus 5 Stunden durch das Heilige Tal in einen Ort namens Santa Maria, mit dem Taxi noch eine Stunde weiter nach Santa Teresa, 20km laufen in den Ort Aguas Calientes, am Fuße von Macchu Picchu. (Es führen keine Straßen nach Aguas Calientes!) Eine Nacht im Ort, um dann mitten in der Nacht um 4 Uhr in der Busschlange zu stehen, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang oben zu sein. Noch dazu das Ticket schon in Cusco kaufen, für Machu Picchu und Aussichtsberg, zu dem man nur in bestimmten Intervallen rauf gelassen wird, und auch nur bis 11 Uhr mittags. Am selben Nachmittag mit dem überteuerten Zug (100 Dollar Holzklasse!!) 4 Stunden zurück nach Cusco fahren. Klingt doch machbar, oder?

Ludwig hat sogar noch eine Telefonnummer für uns. Von Senora Yenny. Senora Yenny bietet laut Ludwig einen Transportservice von Cusco nach Santa Maria an, im Mimivan, der soll sicherer sein als herkömmliche Busse. Mit gebrochenem Spanisch rufe ich bei ihr an, Wenn ich alles richtig verstanden habe, holt sie uns am nächsten morgen um 6 Uhr ab. Am nächsten Morgen pünktlich um 6.15 Uhr steht Senora Yenny vor unserem Hotel. Wir freuen uns, dass wir so zeitig los kommen. Nach einer kurzen Stadtrundfahrt durch Cusco bleibt der Van plötzlich in einer Seitenstraße stehen. Und steht und steht. Zwei Stunden vergehen. Bis wir irgendwann schnallen: wir warten, bis der Van voll ist. Erst dann geht es los. Um 8 Uhr taucht plötzlich aus dem Nichts eine peruanische Großfamilie auf, hüpft in den Van und wir sind endlich on the road. Jetzt müssen wir die halsbrecherische Fahrweise des Fahrers, die haarscharfen Kurven bis hinauf auf 4.300 Meter und wieder runter auf 1.500 Meter, die Umleitungen über Schotterpisten wegen Straßenblockaden, die Gerüche von Choclo con queso (Maiskolben mit Käse), der durch die Autotür verkauft wurde, und die Kotzgeräusche unserer Mitfahrer ertragen. Nach fünf langen, holprigen, rückenschädigenden Stunden kommen wir endlich in Santa Maria an. Kaum ausgestiegen kommen schon die nächsten Taxifahrer auf uns zu gerannt und fragen neugierig, wo wir denn als nächstes hin wollen. Wir winken genervt ab, denn wir brauchen erst mal eine Pause. Uns ist ebenfalls sehr schlecht, das Kotzen können wir uns aber noch verkneifen. Ein Snickers und zwei Bananen später geht es uns besser. Erneut im Minivan geht es weiter. Nochmal 45 Minuten bis Santa Teresa. Wir befinden uns jetzt schon mitten im Dschungel, um uns herum Bananen-, Papaya- und Kaffeeplantagen. Die Straße: Eine Schotterpiste mit tiefem Abgrund, durch Flüsse und unter Wasserfällen. Die Death Road ist nix dagegen. Wir kommen trotzdem heil an. Jetzt noch ein kurzer Taxiritt und wir erreichen erschöpft die heißen Quellen mitten in idyllischer Natur. Hier bauen wir unser Zelt auf und relaxen den Rest des Tages im heißen Wasser.

 

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Straßenblockade

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Fast so wie die Death Road.

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Endlich mal wieder campen.

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Hot Springs bei Santa Teresa.

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Idyllisch.

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Tag 2: Wir laufen die 3 Kilometer zurück nach Santa Teresa, von wo aus wir einen Minivan zu einer Haltestelle namens Hidroelectrica nehmen sollen. Hier endet die richtige Straße. Wieder dasselbe Spiel: Wir sitzen als erstes im Van, fahren dann noch eine Stunde 5 Runden durch das Dorf und fragen, ob noch jemand mit will, oder jemanden kennt, der mit will. Die Fahrt muss sich schließlich auch lohnen. Irgendwann sind wir voll und 45 Minuten später auch schon bei Hidroelectrica. Hier geht’s über eine wackelige Brücke. Der Weg nach Aguas Calientes ist schon ausgeschildert, noch 15 Kilometer. Der Weg führt an Bahnschienen entlang, aber mitten durch den Dschungel. Wir schwitzen bis zum geht nicht mehr, da die Luftfeuchtigkeit extrem hoch ist. Zu Beginn des Weges begegnet uns niemand, und wir fühlen uns wie Abenteurer, die den Machu Picchu entdecken. Tatsächlich sehen wir die Ruinen von weitem, bis oben auf dem Berg. Da wird uns klar, dass wir gerade schon direkt am Machu Picchu vorbei wandern. Plötzlich tauchen aus dem Nichts tausende Touren auf, die an uns vorbei hetzen. Schluss mit der Einsamkeit. Der Weg zieht sich ewig lang, und bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir gerade noch rechtzeitig Aguas Calientes. Hier werden wir vom Tourismus erschlagen. Überall Hotels, Cafes, Bars, Restaurants. Der Ort erinnert ein bisschen an ein Schweizer Dorf in den Bergen, nur im Dschungel. So hügelig ist es.

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Wir stärken uns mit frisch gepressten Säften

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Weg nach Hidroelectrica.

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Hier endete die Straße.

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Wandern durch den Dschungel.

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Endlich: Aguas Calientes.

Nach einer zu kurzen Nacht stehen wir in der Busschlange. Es ist 4.30 Uhr am Morgen. Der erste Bus fährt um 5.30 Uhr. Wir haben Glück und schaffen es gerade noch so in den zweiten Bus. Die Sonne geht langsam auf und die Aussicht ist atemberaubend. Pünktlich um 6 Uhr stehen wir oben am Machu Picchu. Geschafft! Das Highlight aber ist unsere Wanderung auf den Aussichtsberg Montana Machu Picchu , etwas über 3000 Meter hoch. Um 7 Uhr beginnen wir den anstrengenden, steilen Aufstieg. Anderthalb Stunden und ein komplett schweiß-nasses Tshirt später sind wir auf dem Gipfel, und genießen die geilste Aussicht, die man sich vorstellen kann. Danach erkunden wir noch die Ruinen. Insgesamt verbringen wir fast 8 Stunden dort. Müde und erschöpft geht es am Nachmittag mit dem teuren Zug zurück nach Cusco.

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5 Uhr Morgens: Busschlange für Machu Picchu.

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Geschafft! Wir sind drin, pünktlich um 6 Uhr morgens.

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Machu Picchu von ganz weit oben. Die Ruinen sind nur ganz klein zu erkennen.

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Blick vom Montana Machu Picchu.

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Wir waren mit die ersten auf dem Gipfel, halb 9 morgens.

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mega steiler Auf- und Abstieg.

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Nur für Schwindelfreie.

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Aufstieg zum Aussichtsberg.

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Endlich oben.

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Stein in Form des Southern Cross.

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Süße Lamas.

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Zurück in Aguas Calientes.

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Perus typische Hunderasse.

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Aguas Calientes.

  5 comments for “Der lange Weg zum Machu Picchu

  1. oma
    12. Juni 2015 at 14:54

    Was für Strapazen, unglaublich was Ihr leistet, aber es hat sich gelohnt,
    diese tollen Bilder, diese Ruinen in so einer Höhe, eine Aussicht einmalig.
    Bin sehr, sehr beeindruckt….Gratulation Ihr Zwei, sicher ein unvergessliches
    Erlebnis auf Eurer tollen Tour.
    Liebe Grüße oma ini

  2. 22. August 2015 at 23:06

    Endlich mal ein ehrlicher Bericht! 😀 Ich habe die Zugfahrt nach Machu Picchu gebucht und wollte eigentlich den Weg per Van über Ollantaytambo zurück nach Cusco nehmen, das hört sich sehr abenteuerlich an. Hehe. Ich denke ich werde erst einmal ankommen und vor Ort entscheiden. Aber vielen Dank für den tollen Bericht! Musstet Ihr ein extra Ticket für den Montaña kaufen?

    • Julia
      28. August 2015 at 15:18

      Danke Ingrid. Über Feedback freue ich mich immer. Zu deiner Frage: Ja wir mussten ein extra Ticket für den Montana kaufen, nur leider erinnere ich mich nicht mehr an den Preis. War verhältnismäßig aber nicht so teuer und hat sich definitiv mehr als gelohnt! Viel Spaß in Peru!

  3. Kathrin
    19. Januar 2018 at 9:26

    Hallo 🙂 Super Bericht! Wir haben vor auch so zum Machu Picchu zu gelangen wir ihr, mit dem Minivan. Aber die fahrt scheint mir doch sehr abenteuerlich und ich bin auch ganz und gar nicht „kotzfrei“… würdet ihr das Ganze dennoch empfehlen? Ich freue mich über eure Antwort 🙂
    Viele Grüße

    • Julia
      19. Januar 2018 at 15:15

      Hallo Kathrin, ach wie schön, das wird euch bestimmt gefallen. Der Machu Picchu ist einfach so beeindruckend. Die Fahrt dahin ist echt abenteuerlich, aber wirklich empfehlenswert. Mir wird auch immer sehr schnell schlecht beim Autofahren, aber diese Fahrt habe ich kotzfrei überstanden 🙂 Ich rate dir, am besten relativ weit vorn und am Fenster zu sitzen. Und vorher natürlich nicht so viel zu essen. Wenn es gar nicht geht, hilft mir Ingwer gegen die Übelkeit (ein Stück auf die Zunge legen) oder eben Tabletten gegen Reiseübelkeit. Aber lasst euch dieses Erlebnis auf keinen Fall entgehen. Ich wünsche euch ganz viel Spaß!! Liebe Grüße, Julia

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