Die Rückkehr – a neverending story

Man sollte meinen, mit jeder Rückkehr nach Deutschland wird das Ankommen leichter. So viele Reisen haben wir schon unternommen, so oft sind wir wieder zurück gekommen. Da sollte das Ankommen doch ein Klacks sein. Leider ist das nicht der Fall. Mit jedem Zurückkommen wird es irgendwie schwerer.

Seit zwei Wochen sind wir nun wieder in Deutschland. Klar, wir haben uns auch ein bisschen gefreut. Auf Freunde, Familie. Frühling. Im Wald spazieren gehen und frische Luft einatmen. Auf selbstgekochtes Bio Essen und eine riesige Auswahl an Gemüse. Doch je öfter wir reisen und dann wieder zurück kommen, desto mehr fallen uns bestimmte Dinge auf. Dinge, an die wir uns nur bedingt oder gar nicht gewöhnen wollen. Dinge, die uns einfach stören, und jedes Mal aufs Neue verstören.

Wir landen am Flughafen in Frankfurt. Es ist 7 Uhr morgens. Draußen ist es grau und kalt. Ein typischer April Morgen eben. Wir sind müde, haben nur wenig geschlafen. So sehen wir auch aus. Zerzauste Haare, zerknitterte Kleidung. Sommersachen. Komische Blicke sind vorprogrammiert. Wir wollen erstmal in Ruhe ankommen und nehmen gemütlich auf dem Boden Platz, um frisch gekaufte, deutsche Bio Äpfel zu frühstücken. Menschen hetzen an uns vorbei, schauen abfällig auf uns nieder. Frida krabbelt vergnügt hinter ihrem Ball her. Eine Frau bringt den Kommentar: „Na da muss der Boden ja nicht mehr gewischt werden.“ Willkommen in Deutschland. Jetzt fällt es mir auch auf. Wir sind die Einzigen, die auf dem Boden sitzen. Macht uns das zu niederen Personen? Wir sitzen gerne auf dem Boden. Anderswo tun das die Menschen überall. Hier in Deutschland wird es verpöhnt. Nur Obdachlose sitzen auf dem Boden. So werden wir auch angeschaut. Dabei ist hier der Boden so sauber, dass man davon essen könnte.

Doch es wird noch ein bisschen krasser. Robert muss mit der S-Bahn fahren, um unser Auto zu holen. Berufsverkehr, Anzugträger. Er in Haremshose und Crocs. Und die Menschen setzen sich doch tatsächlich von ihm weg!

Ich weiß nicht, was ich denken soll. Alles kommt uns so oberflächlich, unfreundlich, so ich-bezogen, so kalt vor. Die Menschen, wie Roboter, wie ferngesteuert. Das Land des Lächelns ist meilenweit von uns entfernt.

Unser erster Stopp führt uns zur Verwandtschaft in eine Wohnsiedlung. Reihenhaus, Garten, verkehrsberuhigte Zone, 2 Kinder. Typisch deutsch und ganz normal. Auf der Straße sieht man keinen Menschen. Der Kontrast zu unserem Leben im Ausland könnte größer nicht sein. Jedes Mal fällt es uns auf. Alles ist pikobello sauber, aufgeräumt, riesengroß, 3 Stockwerke plus Keller. So wenig Menschen auf so viel Platz. Überall stehen Dinge. Braucht man das? Irgendwie symbolisiert dieses Haus für uns ganz Deutschland. Die Menschen kommen uns vor wie in einer Blase. Sie sitzen in ihren riesengroßen Häusern in ihren sauberen Straßen und konsumieren, ohne etwas zu hinterfragen. Brauche ich das wirklich? Wo kommt das her? Wer hat das produziert? Was passiert mit meinem Müll? Kein Wunder, hier in Deutschland ist es so sauber. Das Elend, die Zerstörung unseres Planeten wird schön von ihnen fern gehalten. Die Leute sehen gar nicht, wie es anderswo zugeht.

Was bleibt, ist ein riesiger Kulturschock für uns. Jedes Mal haben wir die gleichen Gedanken. Und jedes Mal wird es ein bisschen schlimmer. Aber jedes Mal ziehen wir unsere Schlüsse. Machen wieder etwas besser. Wir wollen schon lange kein Teil mehr von der Blase sein. Jedes Ankommen lehrt uns wieder ein bisschen über uns selbst. Wie wir leben möchten. So wie Gandhi schon sagte: „Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen möchtest.“

 

Nachtrag: Ein paar Tage sind nach diesem emotional geladenen Artikel vergangen. Wir möchten hiermit nochmal darauf hinweisen, dass wir das Leben der Anderen, das normale Leben, keinesfalls verurteilen. Wir sind selbst genauso aufgewachsen und waren lange Zeit selbst Teil davon. Bis irgendwann einfach der Punkt kam, an dem wir anfingen, über den Tellerrand zu schauen (hier könnt ihr ausführlich darüber lesen, wie es dazu gekommen ist). Jeder ist seines Glückes Schmied. Und es gibt Menschen, die sind genau damit glücklich: Sicherheit, einem Eigenheim, einem festen Job. Für uns wird das allerdings nie eine Option sein. Dafür sind wir zu anders. Wenn wir nur etwas mit diesen ganzen Worten bezwecken wollen, dann ist es das: die Menschen zum Nachdenken anregen. Einfach ein bisschen mehr zu hinterfragen. Ein bisschen an unsere Umwelt zu denken. Und wertzuschätzen, wie gut es uns hier in Deutschland geht.

  5 comments for “Die Rückkehr – a neverending story

  1. Yvonne
    28. April 2017 at 19:32

    Uns ging es früher auch so wie Euch. Jedesmal wenn wir von einer Backpacker Tour zurück kamen wollten wir am liebsten wieder umdrehen und weg aus dem von Konsum getriebenen Umfeld. Aber was soll ich sagen, mittlerweile haben wir drei Kinder, ein Haus in einer so spießigen Neubausiedlung und trotzdem leben wir nicht wie Roboter und hinterfragen viel. Wir versuchen Müll zu vermeiden, kaufen gerne regionale Produkte und Bio, schauen einfach auch über den Tellerrand..Und noch viel mehr.
    Manchmal nervt der Alltag schon aber mit schulpflichtigen Kinder ist es schwer einfach mal aus der Mühle raus zu kommen. Natürlich gibt es auch da Möglichkeiten…Ein „Nomadenleben“ passt aber nicht zu uns. Ich finde es wichtig, den Kindern ein zu Hause zu geben. Trotzdem kann man den Kinder die große weite Welt zeigen und mit ihnen gemeinsam Erfahrungen sammeln und zeigen, dass hinter dem Tellerrand viel mehr ist. Ich könnt noch so viel mehr schreiben…belasse es aber dabei. VG

    • Julia
      29. April 2017 at 11:55

      Danke Yvonne für deine Worte und Gedanken. Ich finde es immer interessant zu lesen, wie Gleichgesinnte mit Kindern leben. Wie alt sind eure Kinder jetzt? Und ja, wie du schon sagst, sind nicht alle Menschen, die so wohnen, gleich schlecht. Es hängt wohl damit zusammen, wie viel man von der Welt gesehen hat und wie man erzogen wurde. Das möchten wir Frida (und weiteren Kindern) unbedingt mit auf den Weg geben. Ja, wir beschäftigen uns auch langsam mit dem Thema Schulpflicht und wie wir das alles angehen werden. Wir finden es auch wichtig, den Kindern ein Zuhause zu geben. Ich bin gespannt, was die nächsten Jahre so bei uns passiert. Viele liebe Grüße

  2. 27. Mai 2017 at 11:20

    Da habt ihr uns richtig aus der Seele gesprochen! Genauso geht es uns auch und wir fühlen uns ganz verloren im strengen Deutschland in unseren Haremshosen mit unserem Kind, dass schon so viel selbst entscheiden und sich trauen darf. Auf Reisen war man sowieso der Tourist, der Reisende, der Andersartige. Hier in Deutschland hatten wir eigentlich Vertrautheit und Sicherheit erwartet, stattdessen gibt es viel Irritation. Immerhin ist jetzt der Sommer da, der ein Lächeln auf viele Gesichter zaubert. Auf dem Boden sitzen ist jetzt auch erlaubt. Zumindest in den Parks. ?

    • Julia
      4. Juni 2017 at 19:54

      Es tut gut zu wissen, dass wir mit dem Gefühl der Andersartigkeit nicht alleine sind 🙂 Immerhin wohnt ihr in Berlin. Da sollte sich der Kulturschock doch etwas in Grenzen halten 😉

  3. Andrea
    5. Juni 2017 at 13:45

    Hallo Weltenbummler, wir wissen nur zu gut, wie es Euch geht. Wir freuen uns schon drauf, von Euch zu lesen, wenn Ihr wieder unterwegs seid und sind sicher, es wird wieder eine wunderschöne Erfahrung! Liebe Grüße von Andrea und Jörg

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